Mein früherer Umgang mit Gefühlen – Warum ich meine Hochsensibilität lange nicht erkannte
Es gab eine Zeit, da hätte ich nie gedacht, ein Leben mit Hochsensibilität zu leben. In meinen 20ern und frühen 30ern war dieses Thema für mich weit entfernt.
Hochsensibilität verband ich mit Schwäche, mit Menschen, die überempfindlich oder jammernd wirkten. Ich selbst war das Gegenteil davon – zumindest glaubte ich das. Tatsächlich war ich stark dissoziiert.
Mein System hatte über die Jahre Strategien entwickelt, um wenig bis gar nichts zu fühlen. Dazu gehörte die Betäubung mit Substanzen und zwanghafte Verhaltensweisen, die nur einem Zweck dienten: Mich fernzuhalten von den Emotionen, die in mir gefühlt werden wollten.
Diese Zeit fühlte sich oft taub an. Minderwertig. Ich lebte in einer Fantasiewelt, kompensierte die innere Leere mit vermeintlichem Genuss. Doch es war ein hartes Leben.
Ich war lieblos und streng zu mir selbst, machte mich klein, erniedrigte mich innerlich. Alles, um nicht fühlen zu müssen. Auch die Abwertung anderer Menschen, die ihre Gefühle offen zeigten oder sensibler waren, gehörte dazu.
Kennst du dieses Gefühl, dich selbst nicht mehr richtig zu spüren? Vielleicht versuchst du auch, eine innere Leere zu füllen, während das wahre Bedürfnis ungehört bleibt?
Als mein innerer Käfig wankte – Die Wendepunkte meines Lebens
Doch dieser Käfig begann zu wanken, als sich mein Leben schlagartig veränderte. Das Ende einer 14-jährigen Partnerschaft, der Verlust meines Jobs, Depressionen – und schließlich das Gefühl, dass auch meine Betäubungsstrategien nicht mehr wirkten.
Der Schmerz wurde immer stärker und ließ sich nicht länger verdrängen. Unterdrückte Emotionen wollten endlich gesehen und gefühlt werden. Es war der Beginn eines tiefen inneren Prozesses. Therapie, Coaching, die Öffnung für Spiritualität, das Reisen als Solo-Traveller und das Buch Die Kraft der Gegenwart von Eckhart Tolle halfen mir, langsam aufzuwachen.
Wie ich lernte, meine Hochsensibilität anzunehmen
Besonders prägend war die Zeit, in der ich allein in der Natur unterwegs war. Meditieren und Breathwork wurden zu wichtigen Ankern, die mir halfen, mein inneres Erleben bewusster wahrzunehmen.
Die Verbundenheit, die ich dabei spürte – sei es beim gemeinsamen Singen, bei Kakaozeremonien oder Ecstatic Dance – öffnete mir ein neues Verständnis von mir selbst. Hier entstand das erste leise Gefühl: „Ich bin sensibel, und das ist okay.“
Die Herausforderungen im Alltag mit Hochsensibilität
Je mehr ich mich mit meinem authentischen Selbst verband, desto klarer wurde mir, wie sensibel mein Nervensystem auf Reize reagierte. Besonders spürbar wurde das in Alltagssituationen.
Wenn ich in einem großen Restaurant war, wo viele Gespräche gleichzeitig stattfanden, war ich schnell erschöpft. Heute versuche ich, solche Gespräche zu vermeiden oder sie kurz zu halten. Auch laute Geräusche wie das Quietschen von Bremsen auf Straßenbahnschienen reißen mich schnell aus der Ruhe.
Innere Freiheit durch Loslassen – Was mich auf meinem Weg gestärkt hat
Doch ich habe gelernt: Nicht alles, was im Außen passiert, ist von Bedeutung. Freiheit beginnt mit Loslassen – mit der Erkenntnis, dass ich mich nicht zwanghaft mit Gedanken und Emotionen identifizieren muss.
Warum Grenzen setzen für mein Leben mit Hochsensibilität essenziell ist
Natürlich gibt es auch heute noch Herausforderungen. Doch ich habe gelernt, liebevoller mit mir selbst umzugehen. Ich erinnere mich daran, dass Sensibilität kein Fehler ist, sondern ein Teil von mir, den ich achten darf.
Praktiken und Ausbildungen, die mich auf meinem Weg unterstützen
- Kognitive Verhaltenstherapie
- Somatische Verfahren und Traumatherapie
- Achtsamkeitspraktiken und Breathwork
Meine Einladung an dich – Austausch und Verbindung
Ich bin überzeugt, dass die Welt selbstbewusste Hochsensible mehr denn je braucht. Menschen, die Mitgefühl und Intuition in die Welt tragen, die sich nicht von egoistischen Kräften leiten lassen. Ich möchte dich ermutigen: Deine Sensibilität ist keine Schwäche, sondern eine Stärke. Und es lohnt sich, diesen Teil von dir nicht länger zu unterdrücken, sondern ihn als wertvollen Teil deiner Persönlichkeit anzunehmen.
Wenn du Fragen hast oder dich austauschen möchtest, freue ich mich, von dir zu hören. Manchmal hilft es schon, sich gesehen und verstanden zu fühlen – und genau das möchte ich dir hier bieten.